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(Kurzkrimi)
Was macht die Oma nur mit der ganzen Kohle? Die kann doch gar nichts mehr damit anfangen. Ein paar Tropfen Herzmittelchen zuviel und der sozial verträglichen Umverteilung steht eigentlich nichts mehr im Weg. Sterbehilfe ist eine Form von Liebe die auch durch den Magen gehen kann.
Seit zwei Wochen trug er nun schon dieses kleine Fläschchen mit sich herum. Jedes Mal, wenn er glaubte so weit zu sein, es endlich tun zu können, sah er sie an, wie sie dort zerbrechlich, blass, aber mit klarem Blick im Sessel saß und die Zeit verstreichen ließ. Und jedes Mal sagte er sich: ›Heute nicht. Es ist ein so schöner Tag. Den soll sie noch erleben dürfen.‹
Auch wenn er glaubte, dass sich das Leben für sie doch wohl eigentlich nicht mehr lohnen würde. Sie war so alt geworden. Sie konnte kaum noch mehr als fünfzig Meter gehen, ohne gleich aus der Puste zu kommen. Alle Bewegungen schienen ihr schwer zu fallen. Eigentlich tat sie nichts als täglich die Zeitung zu lesen, ihm zu erzählen, wer nun doch schon alles gestorben wäre und dass sie so dankbar sein müsste alle ihre Freunde überlebt zu haben. Dann noch ein wenig fernsehen und ihr Tag ging vorüber, wie der vorige. Warum wollte sie noch weiter leben? Das hatte doch gar keinen Sinn. Sie konnte nichts mehr tun, als Sauerstoff und Nahrungsmittel zu verbrauchen. Wofür das alles? Jochen verstand einfach nicht, worin der Sinn im Alt sein liegen sollte. Warum saßen alte Menschen da und warteten auf …, ja auf was eigentlich? Doch wohl nur auf den Tod.
Und all das Geld, das in den Pfandbriefen, Kommunal-Obligationen und Immobilien festlag. Es wurde nicht genutzt. Es war nur hinterlegt als Sicherheit bis zum Tod. Das war doch sinnlos. Jochen war jung. Er wollte das Leben genießen. Und dazu brauchte man Geld. Sein Vater war in beinahe armen Verhältnissen im Alter von 55 Jahren gestorben. Und er, der Enkel, war als einziger möglicher Erbe zurückgeblieben.
Selbstverständlich pflegte er seine Großmutter, und sie zeigte sich auch großzügig und dankbar, aber trotzdem konnte er nicht mit ansehen, wie all das Geld brachlag und sich einfach nur still vor sich hin vermehrte. 95 Jahre, nein, das war mehr als genug. Und immer noch saß sie völlig klar lächelnd in ihrem Sessel, der mit einer Häkeldecke überzogen war und vergeudete anscheinend keinen Gedanken an ihren Abgang. Das war frustrierend und Jochen wollte dem ein Ende bereiten ...
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Kurzkrimi - Auf Wiedersehen, Großmutter!