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Paulas letzter Muttertag(Muttertagskrimi)
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Wie das Mutterverdienstkreuz zur Droge und zur letzten Lösung werden kann, wenn die Fruchtbarkeit erst einmal dahin ist und wieder mal der Muttertag naht. „Paula! Bitte nimm dieses Ding ab“, sagte Manfred, als er seine Frau vor dem Schlafzimmerspiegel posieren sah. „Was meinst du?“ fragte Paula mit einem Blick, der in ferne Sphären gerichtet schien. Es wunderte Manfred beinahe, daß sie wenigstens zugab, seine Aufforderung gehört zu haben. Normalerweise war sie in diesem Stadium längst jenseits aller Ansprechbarkeit. „Das Kreuz! Paula! Ich meine das Kreuz da um deinen Hals“, sagte Manfred und rang dabei mit Mühe um seine Selbstkontrolle. „Das Kreuz? – Ich soll das Kreuz abnehmen?“ „Ja, Paula. Ich bitte dich, nimm es ab!“ „Aber es ist doch Muttertag“, sagte Paula mit säuselnder Stimme, die man normalerweise auf übermäßigen Alkohol- und Tablettengebrauch zurückgeführt hätte. „Paula, bitte“, beharrte Manfred sanft, aber Paula wiegte sich nur, mit der Hand über das Stück Blech streichelnd, vor dem Spiegel hin und her und summte leise eine Melodie. Jetzt war es doch soweit. Sie hörte ihn nicht mehr oder wollte es einfach nicht. Manfred schüttelte resigniert den Kopf und verließ das Zimmer. In der Küche öffnete er den Kühlschrank und begann den Frühstückstisch vorzubereiten. Jedes Jahr das gleiche Spiel. Einen Tag im Jahr weigerte sich Manfreds Frau, auch nur einen Handschlag im Haushalt zu machen. Am Muttertag war dies alles traditionell Sache der Kinder. Manfred plazierte den Frühlingsstrauß in einer kleinen Vase mitten auf dem Tisch. Eine viertel Stunde später kam auch Paula hinunter in die Küche. Sie hatte sich nochmals geschminkt und das gesamte Farbspektrum eines Wasserfarbkastens leuchtete zwischen Stirn und Kinn. Jetzt, im helleren Licht der Küche bemerkte Manfred, daß Paulas Haare einen silbrigen Lilastich hatten. Das war ganz sicher nicht mehr die Frau, die Manfred vor dreißig Jahren geheiratet hatte. Dabei dachte er nicht daran, daß sie inzwischen 116 Kilo auf die Waage brachte, ihre Taille auf Hüftumfang angeschwollen war oder sich ihre Beine, wie ein verdurstender Schwamm, mit Wasser vollgesogen hatten. Das alles war ihm egal. Schließlich sagte sie auch nichts zu den Rettungsringen, die seinen eigenen Oberkörper stabilisierten. Es war vielmehr ihre Einstellung. Es schien ihr nicht zu genügen, daß sie älter wurde, sie mußte sich auch noch so kleiden. Altern ist eine Frage des Kopfes, das wurde Manfred immer klarer. weiter... Mehr Geschichten |
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Paulas letzter Muttertag - das Mutterverdienstkreuz im Hals