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Die letzte Ölung - Urlaubskrimi

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Die letzte Ölung - Urlaubskrimi

 

Die letzte Ölung

(Urlaubskrimi)

 

Ein Urlaubskrimi um einen Vertreter im permanenten Vollrausch, zumindest was Willen angeht sich unnachgiebig zu amüsieren. Notfall auch auf Kosten anderer. Wer sich aber im Urlaub nicht benehmen kann, riskiert das Recht auf eine gesunde Heimreise. Gerade in der Südsee nimmt man manches Benehmen ganz besonders krumm und dann kommt für einen die letzte Ölung schneller als man denkt.

 

„Das habe ich mir verdient“, dachte sich Helmut Wagner, als er das erste Mal von dem Balkon seines Appartements hinab auf den breiten, weißen Sandstreifen hinabschaute, der die üppige Vegetation des Landesinneren von den heftig bewegten Wassermassen des Pazifischen Ozeans trennte. Von hier aus konnte Helmut einen Teil des mächtigen Mauna Loa sehen. Wenn ihn Vulkanlandschaften auch langweilten, so musste er ihn doch früher oder später mal besichtigen. Auch Pearl Harbor wollte er besuchen und wenigstens eine der anderen Inseln, wahrscheinlich Niihau oder vielleicht sogar eine der unbewohnten. Aber das alles schob er erst mal weit von sich. Dafür würde auch später noch Zeit bleiben. Jetzt war er mit seinen Gedanken am Strand. Der Koffer lag noch ungeöffnet auf dem Bett. So sollte es auch bleiben, jedenfalls bis er wenigstens einmal am Strand gewesen wäre.

Diese Reise war eine Prämie seiner Firmengruppe für den erfolgreichsten Versicherungsvertreter Norddeutschlands. Sie war für eine Person, aber dafür alles erste Klasse, nur vom feinsten. Zeit mal völlig abzuschalten, und das hatte er sich verdient. Absolut. Portugal, Teneriffa, Mallorca, das war für seine Familie gewesen, aber hier, das war ganz etwas anderes. In all diesem Luxus konnte er allein schwelgen. Allein mit einer unübersehbaren Menge knackiger, braungebrannter Schönheiten, die nichts von der nervenden und penetranten Art seiner Frau hatten. Hier war man jung, gesund und fröhlich. Die Frauen zumindest. Und dann das Meer. Majestätisch rauschend, pompös aufschäumend, beruhigte es Nerven und Gemüt. Herrliche zwei Wochen lagen vor Helmut. Er konnte sich nur schwer von diesem Anblick losreißen, aber es war schon später Nachmittag, als er auf Honolulu gelandet war, und jetzt wurde es Zeit, sich zum Essengehen umzuziehen.

Diese Clubhotels boten ein unglaubliches Buffet. Erst konnte Helmut gar nicht glauben, dass all diese Leckereien eigens für diesen Abend hergerichtet worden waren. Meeresfrüchte in unbeschreiblichen Mengen, nett arrangierte Fruchtberge, Pasteten mit meisterhaften Verzierungen, eine Art Spanferkel mitten in all der silbernen Tabletts, Schüsseln und Schalen mit bunt verzierten Gerichten.

Nach dem ersten Teller überlegte er einen Moment lang, ob dieses Völlen nicht seiner gerade noch im Rahmen liegenden Figur den Rest geben würde. Seine Frau hatte in letzter Zeit öfter mal auf seinen Ansatz zum Bauch hingewiesen. Aber was soll’s? In den zwei Wochen würde er wohl kaum sichtbar an Gewicht zulegen und wenn, dann würde es sich erst bemerkbar machen, wenn er wieder zu Hause wäre. Seine Frau musste sich schon mit dem zufriedengeben, was sie wiederbekam.

Während er sich über einen zweiten Teller mit Lachs und einer Art Pfannkuchen oder Crêpe hermachte, beobachtete er die anderen Gäste. Die meisten waren mit Kindern oder zumindest einem Partner da. Ganz hinten im Raum sah er einen Tisch, an dem zwei Frauen allein saßen. Die ältere fand er ganz attraktiv. Eine Bedienung schob sich an seinem Tisch vorbei. Die kleine Polynesierin hatte glänzend schwarzes, langes, glattes Haar, fast bis zu den Hüften. Der asiatische Frauentyp war eigentlich nicht sein Fall, aber dieses Mädchen, vielleicht 20 Jahre alt, hatte eine ganz ungewöhnlich majestätische Ausstrahlung. Sie trug leichte, sandfarbene Sommerkleidung, die sanft ihren Körper umfloss und ihr Augenaufschlag, den sie Helmut schenkte, als sie sich entschuldigte, weil sie an seinen Tisch gestoßen war, zog ihn unentrinnbar in ihren Bann und ließ seine Gedanken vom Essen abschweifen.

Den Rest des Abends verbrachte Helmut an der Strandbar des Clubs. Der starke Seewind des Nachmittags war abgeklungen, doch nach wie vor, befand sich das Wasser in einem quirligen, unruhigen Zustand, der durchaus Helmuts Gemütslage entsprach. Wie die einbrechende Dunkelheit langsam das Meer zu beruhigen schien, so dämpfte die wohlige Wolke des Alkohols Helmuts Bewusstsein.

...

 

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