
(Kurzkrimi)
Hermann hat einfach ein zu gutes Herz für diese Welt. Aber dass seine Frau unablässig fremd geht, das kann er nun doch nicht ewig ertragen. Da muss etwas passiert und er hat auch schon einen genialen Plan mit einigen Lücken. Verhängnisvollen Lücken. Natürlich kann er keinen Unschuldigen draufgehen lassen ... sein Pech!
“Ich geh dann jetzt zum Kegelabend”, hatte sie gesagt, als sie ihn verlassen hatte. “Das Essen steht auf dem Herd, musst es nur noch warm machen.” Hermann lachte still vor sich hin, während er die Stile der Rosen mit dem hochgiftigen Pflanzenschutzmittel einstrich. Als Konzentrat schon bei der Berührung mit bloßer Haut tödlich. Ein Nervengift! Genau das hatte er gesucht.
“Kegelabend, dass ich nicht lache!” Hermann wusste genau, wohin sie jetzt ging. Zufällig hatte er Rosa gesehen. Vor einiger Zeit. In der Innenstadt. Wie sie mit diesem Kerl Kaffee getrunken hatte. Er hatte die beiden beobachtet. Sie trafen sich immer mittwochs. Rosa verließ die Kegelrunde vorzeitig und dann gingen sie noch essen oder ins Kino. Später dann zu ihm nach Hause. Hermann war ihnen bereits einige Male gefolgt. Jedes Mal platzte er fast vor Wut, wenn sie spät nachts nach Hause kam und ihm den neuesten Klatsch ihrer Kegelschwestern erzählte. Alles frei erfunden. Aber er sagte nichts und kochte dabei auf kleiner Flamme vor sich hin. Er hatte einen Plan. Einen mörderischen Plan der Rache und wartete auf die passende Gelegenheit.
Diese Gelegenheit war ihm heute Morgen endlich in den Schoß gefallen, im wahrsten Sinne des Wortes. Als er beim Frühstücken die Zeitung hochgehoben hatte, lag dort Rosas Notizbuch. Sie hatte es wohl verlegt. Schnell hatte er die Seiten durchgeblättert. Unter dem heutigen Datum fand er, wonach er gesucht hatte. Natürlich wäre sie nicht so dumm, ein Rendezvous einfach so zu notieren. Aber einen kleinen Hinweis vielleicht. “K. M.” Das waren seine Initialen, Hermann hatte es an dem Namensschild seiner Wohnung gesehen. “K. M. 10 Uhr.” Das sollte natürlich 22 Uhr heißen. “K. M. 10 Uhr im La Paz.” Nicht weiter auffällig, wenn man bedenkt, dass sie als Kosmetikberaterin tagsüber viele Termine hatte, auch in Gaststätten. Aber dieser Termin war nach dem 1800 Uhr Termin eingetragen und es waren diese verräterischen Initialen. Er wusste jetzt, wo dieser Kerl auf sie warten würde und das war alles, was er brauchte, um seinen Plan auszuführen.
Als Hermann die Straße betrat, war er froh, dass es noch so bitter kalt war. Da würden seine schwarzen Gummihandschuhe gar nicht weiter auffallen. Hermann musste diese Handschuh tragen, denn wenn das Gift der Rosenstiele seine Haut berührt hätte, wäre er nach wenigen Sekunden jämmerlich verendet. Ein scheußlicher Tod, einsetzende Lähmung bis schließlich Herz oder Lunge versagt. Na ja, es dauert nicht besonders lange, dachte sich Hermann und grinste. Er hatte seine abgetragensten Kleidungstücke angelegt, Sachen die Rosa längst in die Altkleidersammlung gegeben hätte, wenn Hermann sie nicht im Bastelkeller unter Verschluss gehalten hätte. Er musste aussehen wie ein richtiger Rosenverkäufer.
...
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Der Rosenverkäufer - Kurzkrimi