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Salino & die Furien - Kriminalroman

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Salino & die Furien - ein Kriminalroman

 

Salino & die Furien

(Kriminalroman)

 

 

Ein Kriminalroman, wo Frauen zu Furien werden, nachdem es Vatern erwischt hat und Mutter halt den Laden schmeißen muß.

Walther sog schmatzend an dem feuchten Ende des Zigarillos. Vor Kurzem war er auf schwarze, wie Lakritzstangen aussehende Tabakröllchen umgestiegen, um seine Lungen zu entlasten. Leider konnte er sich einfach das tiefe Inhalieren nicht abgewöhnen. Statt mit dem bittersüßlichen Rauch zu gurgeln und ihn zu paffen, sog er ihn tief ein wie eine Zigarette. Der Tabak würde ihn irgendwann umbringen, soviel war gewiß.

Gedankenverloren starrte er auf die verstreut herumliegenden Papiere auf der schweren, schwarzen Marmorplatte seines Schreibtisches. Irgendwo mitten in diesem Wust steckte der Fehler. Aber so sehr Walther sich bemühte, er fand ihn einfach nicht. Walther kratzte sich am Kopf und studierte aufmerksam seine Randnotizen. Es war zum Verzweifeln. 75 integrierte Bauteile mit der Kennung 63B1401 waren eingekauft worden. Doch in den Unterlagen gab es nicht den geringsten Hinweis, für welche Baugruppe solche Teile überhaupt benötigt wurden. Vielleicht hatte sie jemand für seinen Privatgebrauch über die Firma bestellt? Wenn ja, dann war das glatter Betrug. Und es ging hier nicht eben um eine Kleinigkeit. Jeder dieser Chips kostete 290,– DM. Das machte 21.750,– zuzüglich Mehrwertsteuer.

Walther schüttelte nachdenklich den Kopf. Wenn es sich hierbei nicht um eine riesige Schlamperei handelte, womöglich um einen Bestellfehler, dann hatte ihn jemand aus der Firma betrogen. Er überlegte, ob er Webermann, seinen Prokuristen anrufen und herbitten sollte.

Kurz nach neun. Etwas zu spät vielleicht. So groß war die Summe nun auch wieder nicht, daß man dafür jemanden spät abends vom Eßtisch zurückpfiff. Andererseits ging es ums Prinzip. Webermann war in diesem Fall der Verantwortliche und Walther würde ihn spätestens morgen früh zur Rede stellen.

Er schob die Papiere zu einem kleinen Stapel zusammen. Jetzt wollte er sich noch die Belege des vorigen Monats ansehen. Walther hoffte stark, daß er nicht auch dort fündig wurde. Das ganze konnte sich leicht als umfangreiches Betrugsmanöver entpuppen. Das Telefon hielt ihn vorläufig von seinem Vorhaben ab, nach dem Stapel neben dem Schreibtisch zu greifen und sich an die Arbeit zu machen.

Seine Frau. Walther faßte sich erschöpft an die Stirn. Marianne klang nicht gerade begeistert, als er sagte, daß er noch einige Zeit im Büro zu tun hätte. Sie wartete mit dem Essen auf ihn. Er hatte wohl vergessen, daß heute sein 21. Hochzeitstag war. Und seine Frau dachte nicht daran, ihn davon in Kenntnis zu setzen.

Marianne hatte sich nach allen Regeln der Kunst zurechtgemacht und saß bereits seit zwei Stunden vor einem schön gedeckten Tisch, mit einem inzwischen kalten Braten und verloschenen Kerzen. Es war nicht das erste Mal und es würde auch nicht das letzte Mal bleiben, daß sie vergeblich auf ihren Mann wartete. Seine Firma ging ihm halt über alles. Marianne seufzte und legte enttäuscht den Hörer auf. Sie würde nicht länger warten. Erfahrungswerte. Das hätte nun wirklich keinen Zweck. Sie zog die Brillanten bestückten Ohrclips ab und warf sie achtlos auf den Tisch. Dann stieg sie wutgelähmt die Treppe hinauf, um ihren Ärger in einem entspannenden Kräuterschaumbad zu ertränken.

Walther hatte wohl gespürt, daß seine Frau enttäuscht war. Er hatte sich natürlich gefragt, ob sie dafür einen bestimmten Grund hatte. Früher hätte er sich einfach gesagt, daß wieder mal Alarmstufe Rot angesagt war. Doch darüber war sie, soviel er wußte, längst hinweg. Im Moment war Walther einfach zu beschäftigt, viel zu beschäftigt, um daran übermäßig viele Gedanken zu verschwenden. Es blieb ein Abend der verpaßten Möglichkeiten.

Vielleicht, wenn er das feine Gehör einer Fledermaus gehabt hätte, dann hätte er wenigstens eine geringe Chance gehabt, das Einrasten des Schalldämpfers in den Lauf der vernickelten 45er Automatik zu hören. Zumindest aber das Klacken der Pfennigabsätze auf dem frisch gewischten Linoleumfußboden unmittelbar vor der Tür zu seinem Büro wäre ihm dann nicht entgangen...

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