Ist ja alles so schön geil hier - oder: Die Pornographisierung der Welt
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Ist ja alles so schön geil hier!Oder: Die Pornographisierung der Welt, wie Ariadne von Schirach es in ihrem Buch "Tanz um die Lust" es beschreibt: Wenn Ficken zum Gebet und Pornofilme zur Visualisierung gesellschaftlicher Grundbedürfnisse hochstilisiert werden, lohnt es sich schon einmal etwas genauer hinzuschauen. Ist ja schließlich alles so schön geil hier.
Für jeden, der sich nicht mehr so genau erinnert sei noch mal vermerkt, daß Ariadnes Großvater Baldur von Schirach der ehemalige Jugendführer des deutschen Reiches war und somit maßgeblich die Generation geprägt hat, die heute noch politisch aktiv ist und die die Pornographisierung der Welt entscheidend mit zu verantworten hat. Auch wenn das der einzige Zusammenhang zwischen Fräulein von Schirach und ihrem Großvater ist. Was aber soll die Pornographisierung der Welt eigentlich sein? Pornographisch kann doch nur bedeuten, daß das Wahrgenommene geil macht, also erregend wirkt und ausschließlich der Geilheit dienen soll. Aber was wirkt schon erregend an den immer gleichen Abzieh- und Durchpausbildern, mit denen uns die Medien, allen voran das Internet und das Fernsehen tagtäglich vollschütten? Das immergleiche Posing, die leicht geöffneten Münder, die gleichen Körper, der gleiche Typus von Frau, egal ob ein Mundwasser, ein Auto oder eine Handvoll Damenbinden verkauft werden sollen. Das ist nicht erotisch, das ist nicht geil, das stumpft einfach nur ab. Und pornographisch ist es schon lang nicht, weil es uns nicht geil macht, sondern zum konsumieren verleiten soll. Das Einzige, was da visualisiert wird sind doch biologisch determinierte Reizsignale, die durch fortwährenden Gebrauch oder Mißbrauch nur unsensibel machen. Die vielen Präsentationen sexueller Schlüsselreize sind ja nicht nur das Verdienst von einigen hohlen Werbefachleuten, denen einfach kein anderes Verkaufsargument mehr einfällt, sondern dieses Sexflooding ist auch politisch gewollt. Sex soll aus der Intimität in das Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden, weil er dort erheblich besser kontrolliert werden kann. Denn es ist unserer Gesellschaft schon immer unheimlich gewesen, wenn zwei Menschen etwas im Verborgenen tun, etwas was vielleicht eine Bindung zwischen ihnen erzeugen kann, die stärker wäre als die öffentliche Meinung. So etwas, wie eine Keimzelle im Staat, aus der schlimmstenfalls auch noch etwas Neues erwächst, womöglich ein Kind oder schlimmeres. Gar ein Andersdenkender, also auf lange Sicht gesehen, bildet doch zwischenmenschliche Intimität, die nicht konform mit den öffentlichen Bildern geht geradezu die Ausgangbasis für den Terrorismus. Da ist es dem Staat ein großes Sicherheitsbedürfnis den sexuellen Akt zu standardisieren und öffentlich zu machen, um damit zu verhindern, daß Menschen sexuelle Aktivitäten überbewerten, denn gänzlich verhindern kann der Staat die Sexualität nicht. Also wird Sex zum Konsumbedarf definiert und der Sexualpartner zum bloßen Erfüllungsgehilfen degradiert. Und da unter solchen Bedingungen zwar noch die nötigen Kinder gezeugt, aber nicht mehr familiär eingebunden und betreut werden können, werden halt doch kostenlose Kinderbetreuungsplätze bereitgestellt. So wird dann die Keimzelle Familie endgültig zerschlagen, wo ja doch keiner so richtig weiß, was da vorgeht. Einzelne Menschen sind erheblich leichter gleichzuschalten und zu kontrollieren, als diese terrorverdächtigen Familienbanden. Wenn Menschen in allzu festen Bindungen, sogenannten Horden leben, gewinnen sie nur unnötig an Sicherheit und Autonomie. Diese Gesellschaft verträgt keine Autonomen. Der Staat soll der Tropf sein, an dem jeder früher oder später hängt.
Die Kontrolle der sexuellen Bedürfnisse macht längst vor den Kleinsten der Gesellschaft nicht mehr halt. Es beginnt schon mit den Videospielen, bei denen der junge Mensch an eine Figur Namens Lara Croft gewöhnt wird. Lara Croft hat natürlich inzwischen viele Namen, aber erstaunlicherweise immer die gleiche Figur und immer die gleiche Ausstrahlung. Und: Lara ist ein ewig verliebter Single, der niemals wirklich heiratet und für den Sex nur die Pause zwischen zwei wirklichen Abenteuern ist. So soll das Leben von Morgen sein. Oder wie es Fräulein Schirach so schön erklärt: Optimierungswahn und die fortwährende Jagd nach dem nächsten Mann. Ja, die Generation der immergeilen Singles, die nur Arbeiten, Spaß und Sex im Kopf haben. Was einem jedoch zu denken gibt, ist die Tatsache, daß ein 28jähriger Mann, also einer der voll im Saft steht, einer neueren Untersuchung zufolge in der Regel weit weniger Sex hat, als eine 60jährige Ehefrau, die nach tradiertem gesellschaftlichem Dafürhalten eigentlich über derartige Bedürfnisse hinaus sein sollte.
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