Die Kartoffelfee

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Die KartoffelfeeMarie mochte Kartoffeln seit sie denken konnte. Kartoffeln in jeder Form. Als Salat, als Pellkartoffeln, Salzkartoffeln und natürlich als Bratkartoffeln. Nicht nur, dass sie sie gerne aß, nein, sie pflanzte sie auch selber an. Und zwar jede Menge davon. Sie hatte inzwischen in ihrem Schrebergarten 14 verschiedene Sorten auf insgesamt 163qm. Das war nach der Gartenordnung so eben gerade noch erlaubt. Zusätzlich hatte sie noch vier Kartoffelfässer, die einen unglaublichen Ertrag auf ihrem einen Quadratmeter ergaben. Letztlich hatte sie mehr Kartoffeln, als sie selbst beim besten Willen essen konnte.

Deshalb hatte Marie vor drei Jahren angefangen einen Mittagstisch für Jugendliche einzurichten. Ihr Schrebergarten lag mitten in einem Sozialbau-Viertel. Daher fanden sich immer wieder einige Jugendliche, die sich auf dem Gelände des Gartenvereins herumtrieben und dort allerlei Unsinn machten. Erst hatte Marie zwei von ihnen eingeladen doch einfach bei ihr Mittag zu essen. Solche Jugendlichen bekamen so gut wie nie etwas Anständiges. Und bei Maria gab es auch immer zu den Kartoffeln noch ein wenig frisches Gemüse oder Obst aus dem eigenen Garten dazu.

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Die Kette

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Die KetteManche Kinder freuen sich für Ihre Mutter, wenn sie einen neuen Mann findet und den dann auch im fortgeschrittenen Alter noch heiratet. Nicht so Friedhelm.

Friedhelm hatte schon lange ein Auge auf die Kette, seiner Mutter geworfen, die sie damals zum silbernen Hochzeitstag bekommen hatte. Die war mehr wert als alle Schulden, die er hatte. Damals war noch richtig Geld im Haus gewesen, so ein Erbhof, der gut geführt wurde konnte schon einiges abwerfen. Aber als sein Vater aus bisher ungeklärten Gründen von seinem Bruder Walter mit dem Mähdrescher überfahren worden war, ging es mit dem Hof bergab. Und letztlich konnten sich alle fünf Erben nicht einigen. Sie mussten den Hof verkaufen.

Da war er aber kaum noch etwas wert gewesen. Nur die Mutter, die sie vorher ausgezahlt hatten, hatte eigentlich ein gutes Geschäft gemacht. Und wenn sie jetzt heiratete, dann käme ein weiterer Erbe ins Spiel. Ein gefährlicher sogar, der sich schon mal 75 Prozent des Erbes unter den Nagel reißen würde, wenn Friedhelms Mutter vor ihm sterben würde. Das allerdings war hochwahrscheinlich, weil Mutters neuer Mann gerade mal die vierzig überschritten hatte, während sie selbst schon fast ein dreiviertel Jahrhundert auf dem Buckel hatte.

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Die Gartenfreundin

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Die GartenfreundinKaum, dass der Frühling eingezogen war, begann für Friedrich wieder das Leben in seinem geliebten Kleingarten. Das war für ihn das eigentliche Leben. Das andere war nur die Zwischenzeit, eben zwischen der letzten Saison und der nächsten. Es war nicht nur die frische Luft, die Pflanzen, die Ruhe und der Platz an der Sonne, nein, es waren vor allem auch die Nachbarn. Insbesondere die eine. Seine Nachbarin. Die zur Rechten. Waltraud. Seit drei Jahren verwitwet. Seit drei Jahren auf seine Hilfe beim Schneiden der Obstbäume, beim Reparieren der Laube und bei einigem anderen Dingen angewiesen. Waltrauds Mann hatte ja keine Ahnung, was er für einen Schatz an Frau sein eigen genannt hatte.

In diesem Jahr hatte er Waltraud überhaupt noch nicht gesehen, aber der Termin des Wasseranstellens war immer der Stichtag. An diesem Tag musste jeder Gärtner anwesend sein, um seine Steigleitung und seinen Wasseranschluss auf mögliche Schäden zu prüfen.

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Die Rollstuhlfalle

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Die RollstuhlfalleEigentlich war Hannes gegen jede Form der Gewalt. Deshalb hatte er auch den Kriegsdienst verweigert und sich entschlossen, seinen Dienst für die Allgemeinheit lieber auf eine friedlichere Art und Weise versehen. Seit einem halben Jahr war er nun schon im Pflegedienst tätig. Er erledigte und organisierte all die kleinen Dinge des Alltags, die einige seiner älteren Schutzbefohlenen nicht mehr selbst in die Hand nehmen konnten. Hannes war immer aufmerksam und mit viel Liebe bei der Sache. Er pflegte die alten Leutchen eigentlich gern. Mit einer Ausnahme: Hella von Boedershausen. Die war eine rechte kleine Tyrannin. Dabei war sie besonders auf seine Hilfe angewiesen. In ihrem Rollstuhl konnte sie so gut wie nichts mehr alleine machen. Zwei Stunden am Tag besuchte Hannes die alte Dame. Am späten Nachmittag kam dann eine hauptamtliche Pflegerin und erledigte den Rest.

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Tod im OP

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Tod im OPProfessor Schneider wusste bereits wen er da vor sich hatte, als er den OP betrat. Draußen auf dem Gang hatte er den Patienten liegen gesehen und sofort wiedererkannt. Es war der Mann auf dem Foto, das ihm der Privatdetektiv gestern gezeigt hat. Schon lange ahnte Schneider, dass seine Frau fremdging, doch er hatte beschlossen erst etwas zu unternehmen, wenn er unwiderlegbare Beweise in der Hand hatte. Jetzt hatte er durch eine schicksalhafte Fügung ihren Liebhaber auf dem OP-Tisch liegen. Gott hatte dieses Leben in seine Hände gelegt.

Ein Motorradunfall. Es war ein junger Bursche, attraktiv, wie aus der Rasierwasser-Werbung geschnitten. Genau das richtige für frustrierte Ehefrau zum abreagieren. Schneider sah sich die Schädeldecke genau an. Sie war nicht nur gebrochen, sondern an einer großen Stelle gesplittert und durchbrochen. Schneider konnte nach dem Auftrennen der Kopfhaut seinem Nebenbuhler direkt ins Gehirn schauen. In dem gekräuselten Eiweißklumpen schien Schneider nach dem zu suchen, was seine Frau in den Bann dieses Mannes gezogen hatte. Aber er erwartete nicht wirklich, es dort zu finden. Er ahnte, dass sich die Anziehungskraft dieses Jungen eher in anderen Körperteilen finden lassen würde. Vielleicht sollte er eine vorzeitige Autopsie am lebenden Objekt durchführen und danach suchen.

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