Die Zivi

Kurzgeschichte

Frau Schubert


Frau Schubert war wohl an die 70, vielleicht noch etwas älter. Das konnte niemand so wirklich sagen. Sie war ein Findelkind aus dem zweiten Weltkrieg. Und ihre Papiere waren im Hamburger Feuersturm verloren gegangen. Sie hatte keine Verwandten und auch keine Freunde. Für Mario, der in den nächsten Monaten ihre Pflege übernehmen sollte war das auch egal. Er hatte sich gegen den Wehrdienst entschieden, aber der Zivildienst war für Mario einfach nur das geringere Übel.

Eigentlich galt Frau Schubert unter den Pflegern als echte Zicke. Es hieß, sie würde sich absichtlich ungeschickt anstellen beim Anziehen, dabei könnte sie sich eigentlich selbst anziehen. Außerdem schickte sie das Pflegepersonal unnötig oft irgendwelche Besorgungen machen. Aber all das waren Probleme der hauptamtlichen Mitarbeiter. Er brachte nur das Essen, sollte sie einmal täglich spazieren führen und die Einkäufe und andere Kleinigkeiten übernehmen.

Eigentlich fand Mario die Frau ganz nett. Es war etwas unglücklich, dass sie im zweiten Stockwerk wohnte. Bis Mario sie die beiden Treppen herunter gewuchtet hatte, war gerne mal eine halbe Stunde vergangen. Danach brachte man den knappen Kilometer im angrenzenden Park samt Gehhilfe im Schneckentempo hinter sich. Dabei hörte Mario sich teilnahmslos die neuesten Beschwerden über seine Kollegen und Geschichtenmischmasch aus den letzten dreißig Jahren an. Anschließend musste er noch für Frau Schubert einkaufen, dann ging er noch mal, um die angeblich falschen oder fehlenden Besorgungen zu erledigen. Ja Frau Schubert war wirklich eine Zicke. Aber eigentlich lief es gut, jedenfalls solange bis Marianne krank wurde und Werner mit Kündigung drohte, wenn er die Schubert noch weiter pflegen müsste.

Mario konnte einfach nicht nein sagen, als Moira vom Büro ihn fragte, ob er für Marianne einspringen könnte. Er sollte sie nur anziehen, das Waschen würde eine Aushilfe am Nachmittag übernehmen. Das sollte wohl zu schaffen sein.

Mario holte sich den Schlüssel im Büro ab und machte sich auf den Weg zu Frau Schubert. Es war schon ein eigenartiges Gefühl eine fremde Wohnung zu öffnen.

„Marianne?“ In ihrem Rufen schwang eine gewisse Ungeduld mit.

Mario wusste nicht, was er antworten sollte. Womöglich erschrak sie, wenn sie eine fremde Stimme in ihrer Wohnung hörte.

„Marianne ist krank!“ rief Mario. „Ich bin's Mario.“

„Mario??“

„Ja, genau.“

„Komm rein, ich bin im Schlafzimmer.“

Im Schlafzimmer war er bisher noch nicht gewesen, es sah aber im Wesentlichen nicht viel anders aus als der Rest der Wohnung. Billige, auf Barock getrimmte furnierte Möbel, viel Gold, viel Glas-Klunker. Da stieß einem nicht einmal das verspiegelte Kopfende des pompösen Doppelbettes auf.

„Ich soll Ihnen beim Anziehen helfen. Später kommt noch jemand und hilft Ihnen beim Waschen.“

„Kommt nicht in Frage!“ schimpfte Frau Schubert gleich los. „Ungewaschen anziehen? Das kommt überhaupt nicht in Frage.“

„Ich bin dafür nicht ausgebildet“, erklärte Mario. „Ich kann Sie nicht waschen, das geht nicht.“

„Was soll das denn heißen? Sie können sich selbst doch auch waschen.“

„Ja schon, aber das ist doch ganz was anderes ...“

„Quatsch! Hilf mir hoch und ins Bad.“

Mario griff ihr unter den Arm zog sie aus dem Bett hoch. Sie war ganz schön schwer und ließ sich kaum dass er sie aus Bett hatte, wieder zurückfallen.

„Die Schuhe! Erst die Schuhe.“

Die pusseligen Hausschuhe standen gleich neben dem Nachttisch. Er schob sie ihr auf die Füße und brachte sie wieder in den Stand, gab ihr die beiden Stöcke in die Hand und begleitete sie ins Bad.

Dort ließ er ihr Wasser ein und legte einen Waschlappen bereit. Dann kam das erste Problem auf ihn zu. Er musste ihr helfen das Nachthemd über den Kopf zu ziehen. Bis zu diesem Moment hatte er nicht darüber nachgedacht, dass diese dicke, alte Frau gleich nackt vor ihm stehen würde. Es war ihm klar gewesen, dass Frau Schubert nicht gerade zu den schlanken Exemplaren der Menschheit gehörte. Im ersten Moment war Mario auch zu sehr damit beschäftigt diese geblümte Nachwäsche über ihren bulligen Kopf zu fummeln. Erst als das Nachthemd nachweislich an Brüsten fest hing, wurde Mario klar, dass die meiste Fülle von Frau Schuberts Oberkörper nicht unbedingt durch einen überdimensionalen Bauch bedingt war. Als Frau Schuberts Kopf völlig vom Nachthemd verdeckt war, hielt Mario einen Moment inne und starrte auf das größte Paar Brüste das er je gesehen hatte. Nicht mal im Internet hatte er bisher solche Brüste gesehen. Allein die Brustwarzen waren so groß wie sein Handteller.

„Was ist?“ drängelte Frau Schubert und brachte Mario schnell wieder in die Wirklichkeit zurück.

Mario beeilte sich das Nachthemd endlich über Frau Schuberts Kopf zu kriegen.

„Ich warte draußen“, sagte Mario.

„Ich kann aber meinen Hintern und meinen Rücken nicht allein waschen“, behauptete Frau Schubert.

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